Karin Veil wurde am 03.04.1939 als Tochter von Helene und Friedrich Geitel in Bodenwerder im Sahlfeld Stift geboren.
Zusammen mit ihrem älteren Bruder Friedrich Wilhelm Geitel wuchs sie in Kriegszeiten über dem Geschäft in der Großen Straße auf. Das Kriegsende und den Einmarsch der Alliierten erlebten sie hinter dem Schaufenster des elterlichen Geschäfts. Angezogen schliefen sie dort, um schnell durch den Hinterausgang den nächstgelegenen Luftschutzkeller zu erreichen. Der Knall der Sprengung der Weserbruecke war das Lauteste, was sie je gehört haben und liess auch die Schaufensterscheibe bersten.
Immer war sie sportlich aktiv und hielt in ihrer Jugend lange Jahre den Hochsprungrekord im Kreis Holzminden. Sport war die Haupt-Abwechslung, denn Tanzveranstaltungen gab es in dieser Zeit nicht. Daher räumten die Geschwister sonntags im Modehaus Geitel die Damenoberbekleidungsabteilung im ersten Stock frei und tanzten zu Platten vom Grammophon Boogie Woogie. Das Grammophon war auch dabei, wenn die Geschwister auf der Weser gepaddelt sind. Sie ließen sich in Holzminden absetzen und paddelten dann mit Musik bis Bodenwerder.
Sie fuhr gut und gerne Ski und spielte ausgezeichnet Tennis. Auf dem Tennisplatz lernte sie auch Toni Veil kennen. Dieser eroberte ihr Herz und sie heirateten am 2. September 1961.
Sie haben drei Kinder: Anke, Thilo und Axel.
Karin war der Mittelpunkt und der Zusammenhalt der Familie.
Sie wusste aus jeder Situation das Beste zu machen. Und das gab sie auch ihren Kindern mit. So mochte sie selbst z.B. nicht die Haut auf der von ihr gekochten Vanillesoße. Ihren Kindern jedoch verkaufte sie die Haut als Delikatesse. Bis heute essen Anke, Thilo und Axel gerne diese Haut, die von anderen gemieden wird.
1968 verließ sie ihre Heimatstadt Bodenwerder, um nach Bad Oeynhausen zu ziehen.
Das Wohnen in Bad Oeynhausen nannte sie gerne “unsere wilde Zeit". Musikbegeistert war sie und rannte von der Küche ins Wohnzimmer, um für die Parties die besten Hits aus dem Radio direkt mit ihrem Tonband aufzunehmen. Es entstand dort, wie schon vorher auch in Bodenwerder, ein enger Freundeskreis, der bis heute besteht und immer sehr große Bedeutung für Karin hatte.
Nach der Rückkehr nach Bodenwerder 1978 und dem Auszug der Kinder begann eine vielfältige Reiseaktivität mit Kultur, Musik und Sport. Bis nach Australien reisten Karin und ihr Toni gemeinsam. Als Clubmeisterin spielte sie Tennis auch in der ersten Damenmannschaft. Der von ihr mitgegründete Kegelklub “Die rare Neun” entwickelte sich weiter zu einer aktiven Radreisegruppe.
In ihrem Garten verbrachte sie viel Zeit, arbeitete Farbkombinationen und Blütenfolgen über das Jahr so aus, dass ein herrlicher Privatpark voller Blumen entstand.
Sie liebte Musik, sang und pfiff, spielte Klavier, und immer klangen Melodien durchs Haus. Ihr Repertoire reichte von Schlagern bis zum Weihnachtsoratorium. Und sie teilte diese Begeisterung, der australischen Gasttochter Lorena vermittelte sie eine bis heute andauernde Liebe zur Oper. In ihre Familie nahm sie -wie eigene Kinder- Schwiegersohn Ivan und die Schwiegertöchter Claudia und Charlotte mit offenen Armen auf, genauso wie die Nachbarsfreundin Sissi.
Die (geduldig ersehnten) Enkelkinder Johanna, Ronja, Robert und Selma vervollständigten ihre Familie. In ihrer neuen Rolle als Oma zeigte sie sich unglaublich liebevoll und hilfsbereit. Ein Anruf, sie ging noch schnell zum Friseurtermin, ab ins Auto, vom Kälbertal nach Berlin, um ihre Enkel vom Kindergarten abzuholen.
2014 (im Mai) starb unerwartet und plötzlich ihr geliebter Toni.
Für sie ein Neuanfang, im stolzen Alter von 75 Jahren. Sie begann aufs Neue, besser zu verstehen, welche eigenen Bedürfnisse und Wünsche sie eigentlich hatte. Sie lernte, ihrer unbändigen Lebenslust zu folgen und traute sich, Spaß zu haben.
Und was sie sich vorgenommen hatte, das zog sie durch. Mit 84 Jahren beschloss sie zum vierten Mal in ihrem Leben nach Australien zu reisen. Nur noch kurz die Leiste richten lassen. Bei der Anmeldung zur OP brach sie sich im Krankenhaus das Bein und wurde deshalb sofort operiert. In der anschließenden Reha musste sie wegen Komplikationen ins Krankenhaus und stellte immer nur die eine und wichtigste Frage: Kann ich nach Australien reisen?
Allen Problemen, Bedenken und Zweifeln zum Trotz, in der Nacht vor Abflug entschied sie: Ich fliege! In Adelaide bei Anke waren ihr noch einmal 3 Monate mit Sonne, Wärme, Meer und viel “Lebeschön” beschieden. Lebeschön ist ein Zustand der Sorglosigkeit, in dem man es sich einfach gut gehen lässt. Das war nicht selbstverständlich für Karin, das hat sie erst spät gelernt.
Karin war eine großgewachsene, aufrechte, sportlich elegante Erscheinung, immer modisch auf Stand und sehr gepflegt. Und es war ihr wichtig, auch so wahrgenommen zu werden. Selbst als sie unter Schmerzen auf einen Krankenwagen wartete, musste Thilo sie noch einmal umziehen, weil ihr Outfit nicht gut genug war.
Sie lachte gern und viel und war für jeden Quatsch zu haben. So zog sie für eine Party - schon über 80jährig - eine Rockerkutte über und lernte den Rockergruß, den sie ganz lässig aus der Hand schüttelte.
Technikaffin war sie und unter Anleitung von ihrem Technik Chef Axel sehr geschickt im Umgang mit Handy und Co. Sie machte Online-Banking, verschickte Fotos und Filme von sich und ihrem Leben an die Familie und Freunde. Bis zuletzt war die Videokonferenz mit ihren Kindern am Sonntag um 11 Uhr fester Bestandteil ihrer Wochenend Routine. Gern auch geschmückt mit den schönsten Hüten.
Ihre Aktivitäten waren zuletzt für sie immer mehr mit großem Kraftaufwand verbunden. Bis zuletzt drehte sie ihre Runden auf der Terrasse, jetzt mit Rollator. “Ich muss fit bleiben!"
Am Ende fiel das Atmen schwer.
Sie wurde immer kleiner.
Ihre Kraft war am Ende komplett aufgebraucht.
Sie war bereit zu gehen.
Wir vermissen Sie so.
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